Die astrologische Zeitqualität

Die Zeitqualität wurde bis 2009 in erster Linie durch die Stellung von Neptun im Wassermann und Uranus in den Fischen bestimmt. Wir hatten es also bei dieser Rezeption mit einer verdeckten Uranus-Neptun-Konjunktion zu tun, die ihren energetischen Höhepunkt erreichte, als sich zwischen Uranus und Neptun zusätzlich ein Halbsextil gebildet hatte (ab Juni 2009).

Die jahrzehntelange Spannung zwischen Uranus und Neptun wirkt bis heute nach. Es müssen demnach die größten Gegensätze, die das Leben bereithält, in eine Balance gebracht werden. Dabei drängt Wassermann (die Energie der grundlegenden Erregung und Eigenwilligkeit) aggressiv nach außen hin zu greifbaren Aktionen, Fische (die Energie der grundlegenden Sensibilität und Anpassung) betonen dagegen die geistig-seelischen Werte der Einfühlung und Hilfsbereitschaft und motivieren zu Friedfertigkeit und Gelassenheit. Das männliche und das weibliche Prinzip des Tierkreises liegen hier miteinander im Streit, und dieser Streit wurde durch die Stellung von Neptun in Wassermann und Uranus in den Fischen aktuell spürbar.

Für die Menschheit kann diese Situation sehr fruchtbar sein und sie zu ungewöhnlichen und genialen Leistungen herausfordern (z.B. Visionen für eine gerechtere Welt, Neuentdeckung der Solidarität, soziale Erfindungen, Motivation für Gewaltlosigkeit, Bewußtsein für die Probleme der 3. Welt), wenn es gelingt, daß sich die Energien von Uranus und Neptun - bildlich gesprochen - gegenseitig umarmen. Diese Situation kann aber auch - und das ist mundan gesehen viel wahrscheinlicher - zu ganz verrückten und aggressiven Handlungen führen. Ganz allgemein drohen beim neurotischen Zusammentreffen von Uranus und Neptun entweder eine verdeckte bzw. illusionäre (Neptun) Aggressivität (Uranus) oder ein erregtes bzw. trotziges (Uranus) Streben nach Ekstase (Neptun) in unterschiedlicher Gestalt. Genie und Wahnsinn (Uranus/Neptun) liegen hier dicht beieinander und das Leben steht wirklich auf des Messers Schneide.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte liegt die Gefahr sehr nahe, daß Aggressivität (Wassermann) über Sensibilität (Fische) obsiegt und zwar in besonders ausschließlicher Form. Im Klartext heißt das: Es drohen Rücksichtslosigkeit, Ausbeutung, Betrug, Räuberei und nicht zuletzt - gerade im Zusammenhang mit der letzten Saturn-Pluto-Quadratur - auch Krieg. Aus astrologischer Sicht ist Krieg zwar nicht unvermeidlich, aber er wird immer wahrscheinlicher, weil die Menschheit vermutlich mit der äußerst schwierigen Energiesituation einer starken Uranus-Neptun-Verbindung nicht konstruktiv umgehen kann. Dabei hat die allgegenwärtige Wettbewerbs-Ideologie durchaus den Charakter eines Wirtschafts-Krieges. Weil aber die verdrängte Fische-Energie noch aus dem Hintergrund wirkt, dürften die Wassermann-Aggressivitäten mit besonderer Raffinesse und Heuchelei ins Werk gesetzt werden und sich oft im Gewand der Hilfe (Fische) tarnen.

Der Konflikt zwischen den uranischen und den neptunischen Kräften fand auf dem Hintergrund statt, der durch die Stellung von Pluto im Schütze-Zeichen charakterisiert wurde. Die einfachste mundane Interpretation dieser Konstellation heißt "Globalisierung", wobei unter Gobalisierung (unter Einfluß der Wassermann-Energie) vor allem die wirtschaftliche Globalisierung verstanden wurde. Für deren weltweite und maßlose Expansion stand die Schütze-Energie. Sie wurde durch Pluto befestigt und gleichzeitig zur Grundlage eines alles beherrschenden Wertesystems gemacht.

Da schon seit der Uranus/Neptun-Konjunktion im Steinbock (1993) das freiheitliche Uranus-Prinzip den Ton angibt, was u.a. dazu geführt hat, daß der real existierende Sozialismus (Fische-Prinzip) zusammengebrochen ist, haben wir es mit einer besonders rücksichtslosen (Wassermann) Globalisierung zu tun. Der Kapitalismus/Neoliberalismus (Wassermann), der im Kampf mit dem Sozialismus überlebt hat, hält sich zur Zeit für das einzig richtige Wirtschaftssystem und tobt sich auf der ganzen Welt mit einer Dynamik (Schütze) aus, die sich ein Karl Marx vor 150 Jahren nicht hätte träumen lassen. Deshalb ist die Bezeichnung Globalisierung im Grunde auch eine Verharmlosung. Richtiger wäre es, von Imperialismus zu sprechen, denn in diesem Begriff drückt sich genau jene Menschen verachtende Rücksichtslosigkeit eines aus allen Fugen geratenen Kapitalismus aus.

Es ist immer ein Kennzeichen ideologischen Denkens, wenn versucht wird, die selbständigen und voneinander unabhängigen Prinzipien Freiheit (Wassermann) und Solidarität (Fische), die beide das gesellschaftliche Leben bestimmen sollten und die zusammen genommen erst die Gerechtigkeit im politischen Handeln ausmachen, durch ein einziges Prinzip zu ersetzen.

Im Sozialismus mißlang das Experiment, allein mit der Schaffung von sozialen Chancen (Fische-Energie) auch das Bedürfnis nach Freiheit (Wassermann-Energie)  mitbefriedigen zu wollen. Im Neoliberalismus wird umgekehrt der Anspruch erhoben, durch den Abbau von sozialen Einrichtungen des Staates (durch Steuersenkungen und Maßnahmen der Deregulierung und Privatisierung) die Leistungsfähigkeit des wirtschaftlichen Wettbewerbs (Wassermann-Energie in Verbindung mit Steinbock- und Widder-Energie) dergestalt zu erhöhen, daß sich am Ende staatliche Hilfsmaßnahmen für die Verlierer (Fische-Energie in Verbindung mit Steinbock- und Widder-Energie) als überflüssig erweisen. Auch dieses Experiment wird scheitern.

In diesem Zusammenhang muß die zur Zeit laufende Sparpolitik der westlichen Regierungen (Austeritätspolitik) sehr kritisch gesehen werden. Die großen Konzerne und Finanzinstitute führen heute einen unerklärten Wirtschaftskrieg um die internationalen Märkte und verlangen von ihren Regierungen, daß Ihnen zu Hause der Rücken frei gehalten wird. Die jeweiligen nationalen Standorte müssen billig sein, sonst drohen sie mit Abwanderung und steigender Arbeitslosigkeit. Folglich überbieten sich die Regierungen gegenseitig mit Steuersenkungen, Verschlechterung der Umweltstandards und Kürzung von Löhnen und sozialen Leistungen, was vor allem die Gewerkschaften auf die Barrikaden treibt. Diese kritisieren zu Recht, daß durch eine solche maßlose Begünstigung des unternehmerischen Freiheitsprinzips (Schütze/Wassermann) am Ende das Solidaritätsprinzip (Steinbock/Fische) - und damit auch der soziale Friede innerhalb der Gesellschaft - auf der Strecke bleiben muß.

An der Spitze dieser Entwicklung stehen die USA, die traditionell einen Sozialstaat ablehnen und damit dem Wassermann-Prinzip besonders verpflichtet sind. Besonders große Schwierigkeiten mit der veränderten Situation haben aber keineswegs zufällig die Deutschen, weil in der Bundesrepublik nach dem verlorenen 2. Weltkrieg mit der sogenannten sozialen Marktwirtschaft mehr als in anderen Ländern ein Ausgleich zwischen Kapitalismus und Sozialismus gesucht worden ist.

Die deutschen multinationalen Konzerne, Banken und Versicherungen haben nach dem Zusammenbruch des Sozialismus in der DDR in besonders aggressiver Weise den amerikanischen Weg des Neoliberalismus eingeschlagen und mit Lohn- und Sozialdumping (Agenda 2010 und Hartz IV-Regime) die europäischen Nachbarn niederkonkurriert. So wurde Deutschland zwar Exportvizeweltmeister hinter China, muß dafür aber mit einer schwachen Binnenkonjunktur, einer Verarmung weiter Bevölkerungskreise und der Schwächung des Sozialstaates bezahlen. Besonders problematisch ist, daß den deutschen Exporterfolgen ein entsprechend großer Schuldenberg in den südeuropäischen Staaten gegenüber steht. 

Auch der Irak-Krieg muß auf dem Hintergrund dieser wilden Globalisierung gesehen werden. Die USA haben hier mit militärischer Gewalt versucht, sich bei dem in Zukunft verstärkt drohenden Wettbewerb globaler Zentren (Nordamerika, Europäische Union, Ferner Osten) einen dauerhaften Standortvorteil zu verschaffen. Es ging hier keineswegs um eine terroristische Bedrohung durch den Irak (die bisher niemand nachweisen konnte) und auch nicht um die Einhaltung von UN-Resolutionen, sonst hätten die USA z.B. auch die Einhaltung der UN-Resolutionen von Israel verlangen müssen.

Es war und ist eine große Heuchelei, wenn die USA mit allen Schurken dieser Welt immer gut zusammen arbeiten und diese aufrüsten, wenn es ihren eigenen Interessen dient, daß sie aber, wenn sich ihre Interessen geändert haben, genau dieselben Diktatoren zur "Achse des Bösen" erklären und mit Krieg bedrohen.

Nach Ansicht vieler Kritiker ging es bei dem Irak-Krieg also nicht um die Verteidigung der Menschenrechte, die ein mörderisches Regime mit Füßen getreten hat, sondern allein um wirtschaftliche Interessen. Es ging um Öl und um eine Neuordnung der Welt, die es den USA ermöglichen sollte, diese wichtige und gleichzeitig politisch so instabile Region des Nahen und Mittleren Ostens dauerhaft zu beherrschen. Nachdem der Iran seinerzeit durch die fundamentalistische Revolution der muslimischen Ayatollahs verloren gegangen war, sollte nun der Irak (neben Israel) die neue Basis des US-Imperialismus werden.

Die Entwicklung der Welt im 20. und 21. Jahrhundert ist offensichtlich dadurch gekennzeichnet, daß ideologische Strukturen (ein Uranus/Neptun-Problem mit Chiron und Saturn) langsam überwunden werden. Nachdem unter der Dominanz von Uranus zunächst der Sozialismus zusammengebrochen ist, kann jetzt unter dem langsam stärker werdenden Einfluß von Neptun und Saturn (durch den Pluto-Transit in Steinbock und das Quadrat zwischen Saturn und Neptun Ende 2015) erwartet werden, daß auch der Kapitalismus, vor allem in seiner aktuellen Form als "Raubtier-Kapitalismus", in eine ernste Krise kommt und der Sozialstaat wieder eine stärkere wirtschaftliche Bedeutung bekommt.

Der Sozialismus ist in seiner Schwäche gewissermaßen implodiert, der Kapitalismus könnte in seiner vermeintlichen Stärke in einem neuen unendlichen Krieg gegen den Terrorismus explodieren und damit seinen ideologischen Untergang einleiten.

Vielleicht hat diese Entwicklung bereits mit dem Irak-Krieg begonnen, an dem sich die USA als westliche Vormacht des Kapitalismus überhoben haben. Die USA könnten sich durchaus zu Tode siegen. Eine solche Entwicklung droht vor allem dann, wenn der aktuelle Konflikt mit dem Iran wiederum aggressiv gelöst wird, was Kritiker der US-Politik befürchten. Wenn dann die ganze Golf-Region in Brand gesteckt wird, dürfte die westliche Wirtschaft mit ihrer Abhängigkeit vom Öl davon nicht unberührt bleiben.

Es geht aber nicht nur um die Lage im Nahen Osten. Astrologisch gesehen hat die verdeckte Uranus-Neptun-Konjunktion in den vergangenen Jahrzehnten unter einer aggressiven Uranus-Dominanz in Verbindung mit Pluto in Schütze (Globalisierung) die Ungerechtigkeit überall auf der Welt politisch-wirtschaftlich vergrößert. Eine dramatische internationale Krise wäre dann zu befürchten, wenn die bestehenden sozialen Spannungen zusätzlich durch aggressive Transite angeheizt werden. 

Die entsprechende Zeitqualität dafür ist bereits vorhanden  und wird als Kardinale Klimax bezeichnet. Sie wurde grundgelegt, als Jupiter und Uranus (am Anfang des Widderzeichens) zu Saturn und Mars (zwischen Jungfrau- und Waagezeichen) eine Opposition und mit Pluto (am Anfang des Steinbock-Zeichens) gemeinsam ein T-Quadrat bildeten (Ende Juli 2010). Diese Konstellation wiederholt sich als Quadrat zwischen Uranus in Widder und Pluto in Steinbock sieben Mal bis 2015. Sie symbolisiert härteste Auseinandersetzungen und es ist wahrscheinlich, daß der Welt sehr schmerzhafte Entwicklungen bevorstehen. Die Kardinale Klimax ist eine Kriegskonstellation. 

Da Neptun sich zum Zeitpunkt der 1. Kardinalen Klimax Ende Juli 2010 dem kritischen Punkt von 0° Fische genähert hatte und sich bezeichnenderweise in einer Konjunktion mit Chiron (Jungfrau) befand, wobei im Jungfrau-Zeichen die Venus stand, dürfte auch das Thema der Kardinalen Klimax feststehen: Es geht um soziale Gerechtigkeit (Neptun, Venus, Chiron).  

Den astrologischen Sinn der aktuellen Zeitqualität sehe ich darin, daß langfristig ein Ausgleich zwischen den Energien von Wassermann und Fische gefunden und politisch-weltweit damit  eine neue Form der sozialen Marktwirtschaft etabliert wird.

Rolf Freitag, Schule für Psychologische Astrologie in Heiligenhaus, im Juli 2011

Vervielfältigungen mit Angabe des Verfassers gestattet

 

© 2017 Rolf Freitag. Alle Rechte vorbehalten.